Tag Archives: Polizei

Straftaten im Görli? Wir haben nachgefragt

(english below)

Wir haben mit Niklas Schrader (Linke) eine Anfrage im Abgeordnetenhaus gestellt, um zu erfahren, wie viele Straftaten/Delikte tatsächlich nachts im Görlitzer Park stattfinden (bzw. wieviele Strafanzeigen von der Polizei erfasst werden). Denn immerhin wird der Görli ja neuerdings nachts verschlossen, um die Kriminalität zu bekämpfen (falls die Eingangstore funktionieren).

Das Ergebnis ist ernüchternd:

  • Der Großteil der Delikte am kbO Görlitzer Park/Wrangelkiez findet (seit Jahren) außerhalb des Görlitzer Parks statt! Eine aktuelle Anfrage von Vasili Franco (Grüne) zeigt, dass im Jahr 2025 79% aller Delikte nicht im Görlitzer Park, sondern außerhalb, also im Rest des kbO Görlitzer Park/Wrangelkiez stattfinden (Link leider mit Paywall)
  • Nachts finden deutlich weniger Straftaten als tagsüber statt – nämlich im Schnitt 21,58% aller aufgenommener Delikte
  • Die Zahlen sind massiv rückläufig! Infolge der Cannabis-Entkriminalisierung seit dem 1. April 2024 kommt es in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu einem Rückgang von 38,33 (2024) bzw. 44,90 Prozent (2025) der aufgenommenen Delikte!
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KI-Kameras ab April im Görli?


(english below)

CDU & SPD treiben in Berlin die Überwachung des öffentlichen Raums massiv voran. Nach Waffenverbotszonen, ASOG-Verschärfungen, Zaun um den Görli inklusive einer nächtlichen Schließung folgen jetzt KI-Kameras. Im April sollen diese im Görli, am Kotti und am Alex installiert werden, am 4. Mai soll der Betrieb in einer Testphase ausprobiert werden, in einer zweiten Phase folgen dann die übrigen „kriminalitätsbelasteten Orte“ in der zweiten Jahreshälfte. Kosten? Schlappe vier Millionen Euro…

Durch die Anwendung von KI soll das Verhalten von Personen und Personengruppen schnell erkannt werden und die Polizei schnell eingreifen können. Datenschutz scheint eine wenn überhaupt untergeordnete Rolle zu spielen und warum dieses Vorhaben funktionieren sollte, bleibt unklar: keine KI erkennt, ob es sich um aggressive oder tanzende Personen handelt, Verhalten von Menschen in psychischen Ausnahmesituationen lässt sich nicht mit logischen und rationalen Rechenvorgängen vorhersagen. Ohnehin führt der Einsatz von nur unzureichend im Umgang mit Traumata und psychisch erkrankten Personen ausgebildeten Polizist*innen regelmäßig zu vermeidbaren Eskalationen. Immer wieder wird von Expert*innen und Wissenschaftler*innen darauf hingewiesen, dass KI bestehende Diskriminierung wie Rassismus und Stigmatisierung von Suchtkranken weiter verstärkt. [mehr Infos]

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Achtung: vermehrte Kontrollen!

(english below)

Seit ein paar Tagen finden wieder vermehrt Polizeikontrollen im Wrangelkiez und rund um den Görli statt. Entgegen vieler Annahmen hängt das nicht mit dem Zaun und der nächtlichen Schließung des Görli zusammen. Vielmehr hat die Polizei wie jedes Jahr Anfang März ihr „Frühlingsfieber“….

Und wie jedes Jahr ist dieser eher symbolische Versuch, Handlungsfähigkeit zu suggerieren, in zwei Wochen ist alles wieder vorbei.

Soziale Lösungen für soziale Konflikte!

english:

For a few days now, an increased number of stop and searches have been taking place in Wrangelkiez and around Görli. Despite what you might think, it has nothing to do with the fence and the nighttime closures in Görli. On the contrary, like every other March, the police are in the throes of “spring fever”…

And much like every other March, this is only a symbolic attempt to demonstrate that they have the capacity to act, and in two weeks it will once again be over.

Social solutions for social conflicts!

Lage von kbOs veröffentlicht

(english below)

Am 11. Februar 2026 wurde veröffentlicht, wo genau sich die sogenannten „kriminalitätsbelasteten Orte“ (kbO) in Berlin befinden -zuvor wurde die genaue Lage aus “polizeitaktischen Gründen” geheim gehalten (mehr Screenshots zu den kbOs unten bzw. gibt es auch hier eine detaillierte Übersicht).

An kbOs finden laut Zahlen der Polizei besonders viele Straftaten von erheblicher Bedeutung statt. Durch die Ausweisung als kbOs dürfen dort polizeiliche Kontrollen und Durchsuchungen ohne konkreten Verdacht auf eine Straftat durchgeführt werden.

Die Polizei schreibt, sie führe an kbOs „verhaltensabhängige“ Kontrollen und Durchsuchungen durch. Diesen Begriff hat die Polizei im Oktober 2022 eingeführt, nachdem sie Kritik an diesen zuvor „verdachtsunabhängig“ genannten Kontrollen begegnen wollte.

Egal ob die Polizei ihre Kontrollen als verdachtsunabhängig oder verhaltensabhängig bezeichnet: es bleiben Polizeikontrollen ohne einen Anfangsverdacht auf eine Straftat, der nach den allgemeingültigen Rechtsnormen für polizeiliche Maßnahmen notwendig wäre und sie bleiben die Grundlage für Racial Profiling und andere diskriminierende Praktiken -auch wenn die Begrifflichkeiten angepasst wurden.

Mehr Infos zu unserer Kritik an kbOs findest Du hier.

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In was für einer Zeit leben wir?

“Insbesondere in Zeiten mit starken rechtspopulistischen und rechtsextremen politischen Strömungen, in denen ein Wiederaufleben neofaschistischer Ideen gar nicht mehr so unwahrscheinlich oder weit entfernt erscheinen, werden Überwachungstechniken ohne mit der Wimper zu zucken eingesetzt und genutzt. Diese Maßnahmen komplexer (totalitärer?) Überwachung und Kontrolle sind brandgefährlich. Das zeigt aktuell ein Blick (nicht nur) in die USA.”


Das schrieben wir im Juni 2025 über Law&Order und Überwachung.

Wir sind fassungslos angesichts aktueller Entwicklungen. Nicht nur in den USA.
Unser Mitgefühl und unsere Gedanken sind bei den Familien, Angehörigen und Freund*innen.

Nicht nur in den USA. Auch im Iran und Rojava und an so vielen anderen Orten.
Unsere Gedanken sind auch bei all den Widerständigen. Liebe und Kraft!

Und an alle, die diese Zeilen lesen: sprecht mit euren Nachbar*innen, schließt euch zusammen, organisiert euch jetzt

Überwachung schafft keine Sicherheit – ASOG-R stoppen!

Statement des Berliner Bündnis für soziale Sicherheit anlässlich der geplanten massiven ASOG-Verschärfungen:

Der Berliner Senat will am 04.12.2025 das Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) massiv verschärfen. Was als „Sicherheitspolitik“ verkauft wird, ist in Wahrheit der Aufbau eines autoritären Überwachungsstaats.

Rassismus per Gesetz
Erweiterte Polizeibefugnisse, unklare „Gefahrenlagen“ und verdachtsunabhängige Kontrollen treffen nicht alle gleich. In der Praxis bedeutet das: People of Color, Schwarze Menschen, migrantisch gelesene und sozial marginalisierte Personen werden noch häufiger zur Zielscheibe. Das Gesetz bekämpft institutionelle Diskriminierung nicht – es legitimiert sie systematisch.

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Novellierung des ASOG stoppen

Auch die Humanistische Union, der Republikanische Anwält*innen Verein, Das Grundrechtekomitee, die Vereinigung der Berliner Strafverteidiger*innen und die Vereinigung demokratischer Jurist:innen kritisieren die geplanten ASOG-Verschärfungen scharf.

“Dass der Entwurf (…) ohne erkennbares Bemühen um öffentliche Debatte und fachliche Auseinandersetzung eingebracht wurde, lässt sich schwer als Versehen lesen. Die geplanten Änderungen sind gravierend.”

Offener Brief an die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses