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Hintergrund

KI-Kameras ab April im Görli?


CDU & SPD treiben in Berlin die Überwachung des öffentlichen Raums massiv voran. Nach Waffenverbotszonen, ASOG-Verschärfungen, Zaun um den Görli inklusive einer nächtlichen Schließung folgen jetzt KI-Kameras. Im April sollen diese im Görli, am Kotti und am Alex installiert werden, am 4. Mai soll der Betrieb in einer Testphase ausprobiert werden, in einer zweiten Phase folgen dann die übrigen „kriminalitätsbelasteten Orte“ in der zweiten Jahreshälfte. Kosten? Schlappe vier Millionen Euro…

Durch die Anwendung von KI soll das Verhalten von Personen und Personengruppen schnell erkannt werden und die Polizei schnell eingreifen können. Datenschutz scheint eine wenn überhaupt untergeordnete Rolle zu spielen und warum dieses Vorhaben funktionieren sollte, bleibt unklar: keine KI erkennt, ob es sich um aggressive oder tanzende Personen handelt, Verhalten von Menschen in psychischen Ausnahmesituationen lässt sich nicht mit logischen und rationalen Rechenvorgängen vorhersagen. Ohnehin führt der Einsatz von nur unzureichend im Umgang mit Traumata und psychisch erkrankten Personen ausgebildeten Polizist*innen regelmäßig zu vermeidbaren Eskalationen. Immer wieder wird von Expert*innen und Wissenschaftler*innen darauf hingewiesen, dass KI bestehende Diskriminierung wie Rassismus und Stigmatisierung von Suchtkranken weiter verstärkt. [mehr Infos]

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Görli-Schließung ab Mai?

(english below)

Dem Senat ist es trotz vollmundiger Ankündigungen bislang nicht gelungen, den Zaun um den Görli fertigzustellen und uns unseren Park nachts wegzunehmen. Das liegt vor allem am breiten Widerstand der Nachbarschaft.

Im Dezember hieß es noch, die Bauarbeiten seien abgeschlossen und ab Anfang März soll die Schließung umgesetzt werden, aber es fehlen weiterhin 15 Zaunelemente an der Görlitzer Straße, fünf Drehkreuze verfügen über keinen Abschluss zur Mauer und kein Tor hat bisher eine Bodenarretierung geschweige denn ein Schließsystem (Stand 9. Februar 2026).

Da der Bezirk für die Verordnung zur Schließung zuständig ist, wird er diese nicht umsetzen. Dann müsste eine Einigungsstelle angerufen werden, die noch nicht einmal eingerichtet ist. Der „Einigungs“-Prozess wird weitere zwei Monate in Anspruch nehmen (Quelle)

Wir rechnen deshalb damit, dass alle Versuche, den Görli nachts zu schließen, nicht vor Mai realistisch sind. In diesem Fall werden wir dagegen klagen und setzen uns auch für eine aufschiebende Wirkung ein.

Es ist also noch vieles offen –zumal am 20. September die Wahl zum Abgeordnetenhaus ansteht und Tennisfreund Kai Wegner aktuell nicht so gute Karten hat…

Einen aktualisierten Flyer zum Download findet ihr hier.

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Novellierung des ASOG stoppen

Auch die Humanistische Union, der Republikanische Anwält*innen Verein, Das Grundrechtekomitee, die Vereinigung der Berliner Strafverteidiger*innen und die Vereinigung demokratischer Jurist:innen kritisieren die geplanten ASOG-Verschärfungen scharf.

“Dass der Entwurf (…) ohne erkennbares Bemühen um öffentliche Debatte und fachliche Auseinandersetzung eingebracht wurde, lässt sich schwer als Versehen lesen. Die geplanten Änderungen sind gravierend.”

Offener Brief an die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses

„Waffenverbotszone“ Görlitzer Park: noch mehr Kontrollen!

Ab dem 15. Februar gelten in Berlin der Görlitzer Park, das Kottbusser Tor und der Leopoldplatz als Waffenverbotszonen. Das Mitführen von Messern und anderen „Waffen und waffenähnlichen Gegenständen“ (dazu zählt auch Pfefferspray) kann dann mit bis zu 10.000€ Strafe geahndet werden.

Warum der Görlitzer Park eine Waffenverbotszone werden soll bleibt unklar: laut Zahlen der Polizei wurden im Zeitraum Juli 2023 bis Juni 2024 nur knapp über drei Prozent aller Straftaten im Görlitzer Park mit Messern oder anderen Waffen begangen. Ohnehin finden 90 Prozent aller von der Polizei benannten Straftaten im kriminalitätsbelasteten Ort Görlitzer Park/Wrangelkiez außerhalb des Görlis statt.

Wir bewerten dieses Vorgehen vor dem Hintergrund medialer Diskussionen um eine vorgebliche Zunahme von Straftaten mit Messern deshalb als weitere stigmatisierende und populistische Maßnahme im Angstdiskurs um öffentliche Sicherheit mit der sich Law-&-Order-Fetischist*innenen angesichts ihrer Konzeptionslosigkeit als handlungsfähig inszenieren wollen -auch wenn solche Maßnahmen wirkungslos sind: einen praktischen Nutzen von Waffenverbotszonen konnte bisher in keiner wissenschaftlichen Studie nachgewiesen werden und ist unter Expert*innen absolut zweifelhaft.

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Über Polizeieinsätze, Kriminalität und Zahlenspielereien

Ende Oktober 2024 wurden zwei Anfragen zu Zahlen über die Kriminalität im kriminalitätsbelasteten Ort (kbO) Görlitzer Park und Wrangelkiez veröffentlicht (Anfrage von V. Franco und M. Burkert-Eulitz, Grüne & N. Schrader, F. Koçak und E. Eralp, alle Linke).

Kontrolldelikte

An sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten (kbO) ist die Polizei in Berlin massiv präsent und besitzt deutlich erweiterte Befugnisse. So darf sie z.B. anlasslos und verdachtsunabhängig kontrollieren und durchsuchen – und das macht sie dann auch: mehr Polizeipräsenz führt zu mehr Polizeikontrollen und in deren Folge kommt es zu mehr Anzeigen (sogenannte “Kontrolldelikte”). Das ist ähnlich bei Verkehrskontrollen: wenn die Polizei vermehrt Verkehrskontrollen durchführt, gibt es mehr Verkehrsdelikte in den Statistiken.

Mehr Polizei = mehr Kontrollen = mehr Delikte

Im kbO Görli/Wrangelkiez wurden innerhalb eines Jahres (von Juli 2023 bis Juni 2024) 1.637 Kontrolldelikte (Verstöße gegen das Betäubungsmittel-Gesetz bzw. Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht) festgestellt. Dies sind 27,65% aller Deliktei, und das, obwohl mit der Entkriminalisierung von Cannabis ab April 2024 die Zahlen in diesem Bereich stark zurück gegangen sind. Continue reading Über Polizeieinsätze, Kriminalität und Zahlenspielereien

Kein Geld für soziale Maßnahmen rund um den Görli!

Beim Sicherheitsgipfel große Töne spucken, dass es neben ordnungspolitischen Maßnahmen auch Sozialarbeit, Konsumräume & Übernachtungsangebote geben wird.
Unsere kleine Anfrage mit Elif Eralp, Ferat Kocak,  Niklas Schrader und Tobias Schulze zeigt aber: null soziale Angebote und null Geld für soziale Angebote!

Stattdessen sehen wir im Wrangelkiez und Görli nur Ordnungsamt, Polizei und der Zaun wird vorangetrieben!

Wir lassen uns nicht für blöd verkaufen!

Soziale Sicherheit statt Law & Order! Der Görli bleibt auf!

Was tun bei Drogen-Konsum im Haus?

[Engl. below!]

Da uns immer wieder Fragen erreichen, wie mit Drogen-Konsum oder mit Drogen-Konsument*innen umgegangen werden kann, hier mal ein paar Infos:

Hier findet ihr „klassische Stoffkunde“ zu Crack & Base und Safer-Use-Tips für Konsument*innen, auch zum ausdrucken und weitergeben.

Wenn ihr Menschen in eurem Treppenhaus antrefft, die dort konsumieren, gilt es grundsätzlich einen respektvollen Umgang zu wahren: Greift nicht in den Konsum-Vorgang ein! Continue reading Was tun bei Drogen-Konsum im Haus?

Offener Brief: Soziale Lösungen für Soziale Probleme!

Im Dezember haben Anwohner*innen aus dem Wrangelkiez angesichts der Situation vor Ort einen Offenen Brief  an die Bürgermeisterin von Berlin, die Gesundheitssenatorin sowie die Senatorin für Soziales verfasst.

Auf Bezirksebene wurde die Bürgermeisterin und die Stadträtin für Gesundheit sowie der Stadtrat für Soziales adressiert.

Hier findet ihr den Offenen Brief auf deutsch, Açık Mektup (türkisch) und open letter (englisch).

Knie im Nacken: Eine lebensgefährliche Polizeipraxis!

[english below]

Nach massiver Polizeigewalt in Form eines Knies im Nacken bei einer Polizeikontrolle im Wrangelkiez vom 21. August 2022 wird Bubacar ohnmächtig. Wir haben deshalb mit Ferat Koçak und Niklas Schrader (beide die Linke) eine kleine Anfrage gestellt:

Demnach ist ein Knie auf dem Rücken oder Hals explizit nicht Teil polizeilicher Ausbildung. Continue reading Knie im Nacken: Eine lebensgefährliche Polizeipraxis!